| Colourtragen ist eine Lebensphilosophie und kein Kasperltheater
Die colourtragende Szene erscheint vielen ebenso interessant wie unbekannt.
Wie geht das?
Was dürfen wir tun?
Was beachten?
Wie werde ich wo Mitglied?
Das Thema ist genauso alt wie heikel. Seit Jahrzehnten gilt in den USA ein Biker
mit Colour zum harten Kern der Bikerszene. Nicht erst durch die 1%-Story und Hollister
sind Colourträger dort in die Outlaw-Ecke gestellt.
Bei uns ist nicht ganz so krass. Die Philosophie des Colourtragens unterscheidet
sich jedoch grundlegend von jener der zahlreichen Freizeitclubs und bedeutet eine
Lebenseinstellung für den Träger. Man kann getrost behaupten, dass die
Colourszene eine "Szene in der Szene" ist.
Seit der Gründung der ÖBU am 5. 8. 1995 sieht sich die offizielle Bikerwelt
hierzulande mit Dingen konfrontiert, welche ihr vorher großteils fremd bzw.
unbekannt waren. Dabei existiert die heimische Colourszene schon seit vielen Jahrzehnten.
Allerdings wurde sie noch nie so öffentlich propagiert wie in letzter Zeit.
Grund dafür war nicht zuletzt der explosionsartige Zuwachs an Colourclubs
und der damit verbundene Effekt, schon fast in jedem Dorf "ein paar bunte
Hunde" zu finden. Dies dient der Sache herzlich wenig.
Viele dieser Newcomer-Clubs haben wenig bis gar keine Ahnung über Hintergrund
und Sinn eines Colours. Man sieht diverse Colours bei einem Bikertreffen, ist
eine Gruppe sich "schon ewig kennender Freunde" und schon passiert es:
Ein Club wird gegründet und man braucht unbedingt ein eigenes Colour. Wozu?
"Die anderen haben es ja auch!" - "Sieht doch urcool aus!"
Nicht wenige verbergen ihre eigenen Schwächen im vermeintlichen "Schutz"
eines Colours. Die Folgen sind immer öfters, dass manche glauben, aufgrund
eines Colours den Bösen spielen und andere Biker bevormunden zu müssen.
Selbst alteingesessenen Colourclubs ist dieses Gehabe mehr als nur ein Dorn im
Auge, werden doch auch deren Werte damit in den Schmutz gezogen.
Dies war auch ein Anlass zur Gründung der ÖBU, welche nach einigen Anfangsschwierigkeiten
nunmehr doch konstruktive Formen angenommen hat.
Das Colour wird nicht getragen, um sich zu profilieren oder am Wochenende auf irgend
einem Treffen eine Show abzuziehen. Danach verschwindet es bis zur nächsten
"Action" wieder im Kleiderschrank. Colourträger ist man immer oder
gar nicht!
Dazu kommt die Tatsache, dass "wahre" colourtragende Clubs ihre Anerkennung
und Achtung nicht durch sinnlose Prügeleien und Repressalien erwerben, sondern
vielmehr durch den Zusammenhalt mit anderen Clubs und vor allem durch die Achtung
der so oft zitierten ungeschriebenen Gesetze eben dieser Colourszene.
So ist es unbestritten, dass es für manchen Club besser wäre, auf das
Colour zu verzichten, da die Gesinnung fern jener ist, welche dazu nötig
ist. Das schadet dem Image der Colourszene und bringt im Endeffekt nur böses
Blut. Genauso unbestritten ist es aber auch, dass es viele Clubs gibt, die es
sich verdienen würden, ein Colour zu tragen. Diesen sollte man den Weg dazu
ebnen, denn eine gesunde und gute Colourszene braucht auch entsprechenden "Nachwuchs".
Es sollte sich jeder Club überlegen, ob und aus welchem Grund man ein Colour
trägt oder tragen will. Freizeitspass als alleiniger Grund ist allemal zuwenig.
Die ungeschriebenen Gesetze bedeuten auch, dass man sich daran halten sollte,
das bedeutet nicht nur eine Szene in der Szene sondern auch eine Freiheit in der
Freiheit.

Ein gewisses Maß an Selbsteinschränkung, Einhalten vorgegebener
Normen ist nicht jedermanns Sache und für Biker, welchen Colourtragen keine
Lebenseinstellung bedeutet, auch nicht leicht nachvollziehbar.
Secretary
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