"Mia moch'n an Em-Tse", spricht der Rudelführer als logischer Präsi.
Beifallgeheul, noch eine Runde Klare. Schulterklopfen. Treueschwüre. Harte
Ledermänner Arm in Arm bei "Born to be wild". Der Name ist bald
gefunden, als Statuten wird "Easy Rider" einstimmig angenommen. Das
Colour entwirft der Secretary, weil der konnte schon in der Schule am besten zeichnen.
Jeder bekommt noch ein Bier zur Taufe übergegossen und fertig ist ein neuer
MC. Gründung abgeschlossen, auf geht's Bua'm!?
Oder:
Herr Direktor, Herr Doktor und Herr Kommerzialrat begeben sich als Proponenten
des MCs in spe nach eingehendem Brüten über den Anforderungen des Vereinsgesetzes
von 1951, BGBl 1951/233 (zuletzt geändert mit BGBl 1993/257) und einstimmigem
Beschluss zum Postamt und expedieren persönlich und eingeschrieben die Bildungsanzeige
des neuen MC-Vereins (mit Statuten in dreifacher Ausfertigung) an die Sicherheitsdirektion
des Landes. Erfolgt binnen sechs Wochen keine Untersagung, kann konstituiert werden
und ein neuer MC ziert die Szene. Bescheid folgt. Glückwunsch!?
Keiner dieser beiden Fälle wird vermutlich je passiert sein, irgendwo zwischen
den beiden Extrema werden sich jedoch zahlreiche "MCs" finden bzw. plant
sich die eine oder andere lose Verbindung von Bikern in Zukunft als "MC"
anzusiedeln. In beiden Fällen mag am Ende wirklich eine Motorrad fahrende
Vereinigung stehen ... aber kein MC!
Ein Motorcycle Club ist mehr als nur ein Name, mehr als nur eine Bezeichnung.
Das äußere Erscheinungsbild prägen natürlich Bikes und auch
diverse, traditionelle Accessoires, einen MC machen aber weder Colour noch Harleys
aus. Es geht um die Ideologie, der sich die Member verpflichten. Motorradfahren
ist dabei gemeinsames Interesse.
Ein MC schafft so eine (Lebens-)Gemeinschaft mit einer Dichte, die anderswo kaum
zu finden ist. Dieser Zusammenhalt geht weit über reine Motorradbelange hinaus.
In Kommentaren zum Vereinsgesetz liest man zB., dass einen Verein im Sinne des
Vereinsgesetzes von 1951 zu gründen heißt, "[...] sich zur Verwirklichung
eines ideellen Zweckes, für längere Zeit und in besonders organisierter
Form zusammenzutun. [...] Ein solcher Zusammenschluss weist eine in seinen Statuten
festgelegte innere Ordnung auf, nach welcher der gemeinsame Wille gebildet wird,
zu besorgende Aufgaben verteilt werden [...]" usw.
Einem MC nicht unähnlich, aber mit einem gravierenden Unterschied: Die Ideellen
Ziele knüpfen im Falle eines MCs sehr eng an den Biker-Ethos, den wir im
Kapitel "Der MC - Gesetze? Regeln? Ethos!" angesprochen haben. Die Ziele
eines MCs werden nicht nur durch ihn selbst erdacht, seine Gemeinschaft hat auch
eine Aufgabe in der Tradition der Bewahrung des Ethos als jene verantwortungsbewusste
Grundhaltung, die auf der gesamten Welt analog gelebt wird.
Eine Gemeinschaft zu bilden, die das verinnerlicht, ist nicht ganz einfach. Klar
ist, dass es mit zunehmender Anzahl der Clubs immer schwieriger wird, diesen Ethos,
die Werte des Bikertums gesichert weiterzutragen.
Die Österreichische Biker Union
(ÖBU) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem entgegenzuwirken. Ein MC soll
der Inbegriff, das Urbild des Bikertums sein. Die Gründung eines MCs sollte
nur unter Erfüllung von grundlegenden Voraussetzungen und nach einer Zeit
der Probe erfolgen, ob dieser Zusammenschluss auch die Ideologie weitertragen
kann.
Welche der grundlegenden Voraussetzungen dafür nötig sind, kann bei
jedem der Ansprechpartner in der ÖBU erfragt werden. Facts alleine reichen
natürlich nicht, denn wie sich in der Probezeit eines Clubmembers herausstellt,
ob er zum Club passt, muss sich auch ein MC in spe einer Bewährungszeit unterziehen.
Schmeckt nicht, ist aber so.
Warum zählt nun eine Entscheidung der ÖBU über den Eintritt oder
die Nicht-Aufnahme in diese Gemeinschaft? Aus Respekt für die Erfahrung mit
dem, was im Zentrum unser aller Interesse beseht: zum Zweck der Weitergabe und
Sicherung unseres Ethos, dem Ethos des Bikertums. Wer sich dem nicht anschließen
will, sollte auch keinen MC gründen, will auch eigentlich keinen MC gründen,
sondern nur so heißen. Warum auch immer ...
Blacky
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